...und manchmal muss man seine Sehnsüchte aussprechen, um das Glück bei Laune zu halten...
Montag, 9. April 2012
Fernweh
...und manchmal muss man seine Sehnsüchte aussprechen, um das Glück bei Laune zu halten...
Dienstag, 21. Februar 2012
Das Dialekt- Armageddon
Oh, wie naiv doch die Stadt Luzern ihre Fasnacht feiert. Zehntausende, meist verkleidet, im Grundsatz fröhlich, (teilweise) zwanghaft ausgelassen, oft bis in die frühen Morgenstunden und nicht zu selten betrunken zelebrieren diese tolle Tradition. Ich wäre auch dabei, weniger euphorisch wahrscheinlich als der grösste Teil des Restes, aber doch mit Leidenschaft. Zumindest wäre ich lieber zwischen all den Grinden und Guggen als Kabel und Drähte anzuschliessen. Sie feiern sie also, diese Fasnacht und wissen nicht, dass einige Kilometer, genauer in Root, sich die Kräfte der Vernichtung, das Böse, sammeln um zu einem letzten Schlag anzusetzen.
Ich bin überzeugt, dass die Mayas ihren Kalender geändert hätten, hätten sie gewusst, für welche Qualen die menschlichen Stimmbänder einmal missbraucht werden.
Nun arbeite ich also auf einem Umbau in Root in einem Raum mit einigen anderen Arbeitern.
Zum einen ist da Samuel, ein Elektriker (und somit ein Mitarbeiter von mir). Ein grundsätzlich gutmütiger Mensch. Er spricht sehr viel.
Dann ist da Daniel, ein Isolateur. Sein gutes Herz muss ich zwar noch entdecken, aber als unsympathisch kann man ihn nicht bezeichnen. Ein geschwätziger Bursche.
Des weiteren ist da auch noch ein Marco, ein Metallbauer. Ein blödes *#3"°@"&%... ein nicht so netter Mensch. Er redet gerne.
Und zum Schluss ist da noch Udo. Keinen Plan was der genau macht. Udo ist... ja ich weiss gar nicht, wie er ist, es ist unmöglich ihn zu analysieren- er lässt einem keine Zeit dazu. Er spricht ohne Punkt und Komma und wenn nicht mit jemand anderem dann mit sich selbst oder wenn es sogar ihm zu viel wird spricht er den Maschinen gut zu.
Ich arbeite also in einem Raum voller Menschen die gerne und viel (und manchmal noch mehr) sprechen. Das ginge ja aber grundsätzlich noch, wenn da eine bestimmte Tatsache nicht wäre.
Die Umstände, die dazu führen, dass sich die Welt langsam, aber stetig, zersetzt, findet man in der Herkunft dieser reizenden Tages- und Arbeitsgenossen. Jede einzelne hört man bereits nach wenigen gesprochenen Wörtern (und davon gibt's ja reichlich).
Samuel ist ein Thurgauer, Daniel ein Land- Zürcher, Marco ein Basler und als wäre diese Mischung nicht schon Folter genug, folgt noch Udo, der Schwabe. Die dunkle Kräfte der schlimmsten Dialekte im Deutschsprachigen Raum vereinen sich acht bis zehn Stunden pro Tag auf wenigen Quadratmetern.
Ein perfider Plan des Schicksals. Eine subtile, konstante Selbstzerstörung der Elemente. Die Welt hat nur noch wenige Tage. Ich kämpfe an vorderster Front, mit meinem luzernerischen Dialekt aber ziemlich Chancenlos... Liebe Berner und Graubündner, ihr, mit euren wunderschönen und erhellenden regionalen Sprachvarianten... an euch liegt es, die Welt (oder einfach mal für's erste: mich) zu retten... ich zähl auf euch! BIIIITEEEE! ... ;) ...
Freitag, 27. Januar 2012
Die Gratwanderung zwischen Freude und Trauer- VBC Luzern Herren 4
Sind es nicht die Emotionen, die Sport so unvergleichbar machen? Sind es nicht die bangen Momente zwischen Glück und Unglück, die letzten Sekunden vor einer Entscheidung, die Hoffnung, die damit verbunden Adrenalinstösse und nicht zuletzt die Berg- und Talfahrten der Gefühle, die unseren Sport so beeindrucken gut charakterisieren. Gestern erlebten wir alles. Alles, was man während einem Spiel emfpinden kann, haben wir empfunden.
Es braucht oft so wenig. Eine Passeur- Finte zum richtigen Zeitpunkt. Ein klug gespielter Longline- Ball anstatt blindlings drauf los zu prügeln. Ein richtiger Wechsel zur richtigen Zeit. Volleyball ist ein Sport der Extreme. Ein Sport, in dem innert eines Sekundenbruchteils ein ganzes Spiel entschieden werden kann, in dem wenige Milimeter den Unterschied zwischen einer guten Abahme und einem verlorenen Punkt ausmachen, ein Sport, in dem Freude und Trauer von Satz zu Satz und von Punkt zu Punkt den Besitzer wechseln können. Ihr merkt es wohl, Melancholie in einem Bericht nach einem Aufstiegsspiel verrät nicht unbedingt unbändige Freude, ist kein Zeichen grenzenlosen Jubels. Wir haben das Spiel verloren, knapp und unglücklich, aber schlussendlich wohl verdient.
Aber der Reihe nach: Die Ausgangslage musste niemandem der vielen Zuschauer (gezählt wurden knapp 70!) erklärt werden. Es war ein Spitzenspiel mit wegweisendem Ausgang und Vorteilen für die SG Obwalden. Wir benötigten alle drei Punkte (also ein 3:0 oder 3:1 Sieg), den Kantonsnachbarn hingegen genügte ein Punkt (2:3/3:2/3:1/3:0) um sich den (fast sicheren) Aufstieg zu ergattern. Entsprechend motiviert waren denn auch unsere Gegner und entsprechend nervös waren wir. Wir starteten schlecht. Grottenschlecht. Uns gelang nichts, der SG dafür praktisch alles. Die Folgen davon: die ersten beiden Time-Out's bei den Spielständen 1:6 und 4:13. Wir rafften uns dann aber auf, fanden endlich auch den Weg ins Spiel und konnten mithalten. Wer bei einem so gossen Rückstand allerdings nur mitzuhalten vermag wird diesen nicht los und so gewannen die Obwaldner den ersten Satz klar und deutlich.
Im zweiten und dritten Satz dann eine verkehrte Situation. Die SG startete jeweils sehr schlecht und ermöglichte uns mit vielen Fehlern, schon bald hoch in Führung zu gehen. In der Folge verwalteten wir diese Vorsprünge manchmal souverän, manchmal mit Dusel, aber im Grossen und Ganzen sicher und konnten diese Sätze schlussendlich gefahrlos gewinnen.
Der vierte Satz musste also Entscheiden. Dessen waren wir uns nur allzu klar bewusst, was wohl auch erklärt, warum wir wieder in unser nervöses Spiel zurückfielen. Wir starteten schlecht und hinkten in der Folge meistens ein paar wenige Punkte hinterher. Diese paar wenigen Punkten schafften wir allerdings des öfteren aufzuholen und auszugleichen und teilweise gingen wir gar in Führung. Es waren aber just immer jene Augenblicke, als wir den Satz zu drehen schienen, in welchen wir dumme und unnötige Fehler begingen, die uns wieder aus dem Tritt zu werfen vermochten. Kurz vor Ende des Satzes legten die Obwaldner wieder einen Zahn zu und wir schafften es für einmal nicht, wohl auch aufgrund der immer akkuter werdenden Nervosität, ihnen zu folgen. Der Schrei der Freude, des Glücks, erfüllte kurz darauf die Halle. Es war allerdings nicht der Unsrige. Wir blieben stumm, senkten unsere Köpfe und ignorierten die unbändige Begeisterung auf der anderen Seite. Zwei Mannschaften, physisch durch ein dünnes Netz getrennt, emotional allerdings geteilt durch eine kilometerdicke Leere von Gefühlen. Da, auf der einen Seite, dieser unendliche Enthusiasmus und auf der anderen Seite die grenzelose Resignation.
Genau vor jenem Moment fürchteten wir uns in gewisser Hinsicht. Wir mussten jetzt noch einen Satz spielen. Deprimiert und konsterniert mussten wir uns nochmals aufraffen. Für die SG war es ein Schaulaufen, für uns Schadensbegrenzung. Anders hätten die Voraussetzungen vor so einem Satz kaum sein können. Doch da waren noch diese vielen Zuschauer. Unsere unglaublichen Freunde und Familien, die uns während dieser vier Sätze lautstark unterstützt und mit jedem Punkt mitgelitten haben. Die sich heiser und teilweise sogar zu Kopfschmerzen schrien. DANKE DANKE DANKE!
Wir versuchten also, so gut wie es ging, unsere Köpfe zu reaktivieren und für diesen Satz nochmals Vollgas zu geben. Wir starteten relativ gut und konnten das Spiel bis Mitte des Satzes ausgeglichen gestalten. Doch dann verloren wir endgültig jegliche Konzentration, jegliche Kraft und schlussendlich auch das Spiel. Es geschah nicht bewusst, aber es fiel so viel Anspannung von uns und ohne das Adrenalin des Aufstiegs vermochten wir uns nicht mehr zu halten.
Die SG feierte sich als Aufsteiger (herzliche, wenn auch nicht ganz neidlose, Gratulation hier auch nochmals) und wir müssen uns wieder einmal mit dem Image des ewigen Zweiten zurechtfinden (und schauen gespannt auf die Geschehnisse in der 1. Liga und drücken Ebikon sowie natürlich auch unserem H1 die Daumen, dass sie nicht absteigen!)
Doch eines muss ich noch loswerden:
Wenn Emotionen Sport ausmachen und wenn extreme Gefühle der Lohn für die Trainings sind, so haben wir gestern wohl alle gewonnen. Obwalden mit dem Aufstieg wohl etwas mehr, aber wegen solcher Spiele spielen wir diesen Sport. Freud und Leid gepaart mit Hoffnung und Trauer sind grundlegend für die Motivation und auch wenn wir Niedergeschlagen waren und mit Bestimmtheit immer noch sind, gibt uns die Art und Weise der Niederlage, die Spannung und die vielen, unglaublich tollen Zuschauer Hunger auf mehr. Auf so unglaublich viel mehr. Wir stecken den Kopf nicht in den Sand, wir geben nicht auf, wir nehmen, sollte es diese Saison nicht reichen, nächste Saison einen neuen Anlauf!
Adi für das H4
P.S. ein persönliches Dankeschön an die vielen Damen aus unserem D2!
Dienstag, 6. September 2011
Jetzt mal ehrlich!
Schottland zum Dritten
Ich bin jetzt beinahe eine ganze Woche in Edinburgh und muss gewisse Dinge loswerden...
1.) Dudelsäcke
Als ich in Schottland ankam, ertönte alsgleich die erste Dudelsackmusik. Zwar nur aus den Lautsprechern am Flughafen, aber trotzdem war unverkennbar- ich bin in Schottland. In Edinburgh fand ich dann unzählige Strassen-dudelsack-musikanten. Als grosser Braveheart- Fan kam ich nicht umhin, jeweils anzuhalten und einige Minuten zuzuhören. Ich war dann auch immer sehr grosszüig und warf ihnen einige Pfund in die dafür vorgesehenen Behältnisse. Am zweiten Tag spielten sie immer noch. Ich hatte das Gefühl, es waren sogar einige mehr. Trotzdem bekamen alle wieder etwas Geld von mir. Sie war ja so schön, diese Dudelsackmusik. Am dritten Tag genoss ich ebenfalls ihre Musik. Es schienen aber wieder einige mehr geworden zu sein und da ich langsam Angst hatte, dass mir das Geld ausgeht, wenn die sich weiterhin so stark vermehren, beschloss ich, ihnen kein Geld mehr zu geben. Am vierten Tag, und glaubt mir, die vermehren sich schlimmer als die Karnickel, fing die grelle Musik der Dudelsäcke langsam an etwas zu nerven. Also begann ich langsam, sie zu ignorieren... es gelang mir nicht. Am fünften Tag wurde mir klar- die vermehren sich nicht schlagartig, die sind einfach wirklich ÜBERALL. Man kann sich dem grellen, schrillen, quitschenden "Klang" einfach nicht entziehen. Und ich Dummkopf habe sie mit etlichen Pfund auch noch dazu ermuntert weiterzuspielen, ja vielleicht sogar, lauter zu spielen. Ich könnte die CD von Braveheart stundenlang auf und ab hören, aber glaubt mir, die hat nichts mit derjenigen gemein, die hier auf den Strassen Edinburgh' gespielt werden. Das ist einfach nur eine sinnlose Anreihung quälender Laute, die sich Takt für Takt unsanft in deine Gehörgänge hämmern. Jetzt mal ehrlich, liebe Schotten, wie haltet ihr das aus?
2.) Stil
Als grosser Irrtum der Weltgeschichte glaubt man, dass Geschmäcker verschieden sein können. Nun ja, für ein gewisses, sehr kleines Toleranzfeld mag das stimmen, aber was die Kleidergewohnheiten der Briten angeht betimmt nicht. Nein, unmöglich! Farbkombinationen der untersten Güteklasse, Kleidchen so kurz, dass man es getrost als T- Shirt bezeichnen kann, Röcke noch kürzer, die man als Gurt verkaufen könnte. Wengistens Strumpfhosen? Fehlanzeige! Weiter ins Details möchte ich jetzt diesbezüglich nicht gehen. Bauchfrei bei gemessenen 8 Grad Celsius. Frisuren, die hätte ein Vogel nicht besser hingekriegt. Bei all diesen (un)möglichen Kleiderkombinationen spielt im Übrigen auch keine Rolle, ob die Damen 60, 100 oder 200 Kilogramm wiegen. Betittelt mich als böse, als bitter oder von mir aus auch als bitterböse, aber dieser Meinung sind alle nicht-Briten, die ich angetoffen habe (am schlimmsten traf es die so stilsicheren Franzosen). Die Herren der Schöpfung haben es da viel einfacher. Jeans und irgendein Flanellhemd oder ein grauer Rollkragenpulli und fertig. Ah ja, noch ca. einen Liter au de cologne, aber dann kanns losgehen. Muotathaler Dorffeste sind im Vergleich wahre Fashionpartys. Nun gut, ich übertreibe. Aber wirklich nur ein wenig. Eine solche gesamtkulturellere Geschmacksverfehlung habe ich zumindest zuvor noch nie erlebt. Jetzt mal ehrlich, liebe Briten, reisst euch ein wenig zusammen.
3.) Geld
Ihr habt ja wirklich schönes Geld, liebe Schotte. Doch, ich muss zugeben, dass mir eure Noten gefallen. Eure Münzen, so unterschiedlich gross und dick sie jeweils auch sind, haben ebenfalls einen gewissen Charme. Und trotzdem ärgere ich Massloss. Über eure Preise vorallem. Warum kostet hier so extrem vieles fünf Pfund und ein paar zerquetschte pence? Oder zehn Pfund und ein paar zerquetschte oder 15 Pfund und... ich glaube ihr habt verstanden, vorauf ich hinaus will. Man bekommt immer fast das maximalmögliche an Münzen zurück. Und wenn man, wie ich, eure Münzen noch nicht auswendig kennt (2 Pence sind zum Beispel um einiges grösser als 20 Pence und sehen auch wertvoller aus) bezahlt man halt lieber mal mit Noten. Das Ergebniss ist, dass man unzählige dieser schweren Münzen mit sich rumschleppt, damit die Dudelsackblaser "füttert", diese durch die Belohnung lauter spielen und man selber verrückt wird... na vielen Dank. Jetzt mal ehrlich liebe Schotten, das macht ihr absichtlich, nicht?
Nun denn - der Blog geht noch weiter - wenn ihr eine Pause benötigt, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt!
Meinen ersten Blog wollte ich eigentlich mit folgendem Satz beginnen: "Ich bin im Harry Potter- Land!". Dies, weil ich täglich zehn Herimne gesehen und zehn Ron getroffen habe. Ja sogar Harry glaubte ich einige male gesehen zu haben. Zudem hätten einige der imposanten Häuser wunderbar als Hogwards Schule für Hexerei und Zauberei herhalten können.
Edinburgh ist aber mehr als das. Die Stadt und die Menschen, die darin leben, lassen sich nicht in diese Bandreihe pressen. Die Stadt ist Geschichte. Lebende, leibhaftige Geschichte. Männer laufen in ihren Kilt umher (ohne etwas darunter, versteht sich, sonst wäre es, so versicherten sie es mir, ein Rock!), sie verkleiden sich als William Wallace, als Robert de bruce. Frauen laufen in langen, prachtvollen Kleidern umher. Zu Hochzeiten haben sie ihre Hellebarde und Langschwerter dabei. Natürlich gilt vieles, um den Touristen eine perfekte Atmosphäre zu verschaffen, aber ich bin überzeugt, dass die Schotten auch ohne uns ihre Traditionen leben würden. Dass sie an den Aktienmärkten in ihren Kilts um die Wette spekulieren würden, dass sie ihre mittelalterlichen Waffen nicht entsorgen würden. Edinburgh ist stehengeblieben, in vielerlei Hinsicht, hat aber nie den Anschluss verloren.
Edinburgh riss mich hin und her. Unsanft von einer Ecke in die Nächste. Von *toll* bis *total überbewertet*. Es war vor zwei Tagen, als ich im Holyrood Park (diesen Anfängen der Anfänge der ... der Highlands) das Feuerwerk bestaunt habe; das Schloss, dieses toll beleuchtete Schloss, die Musik aus den Radios, welche einige mitgebracht haben, die sonstige stille, der greifbare Stolz der Schotten... vor zwei Tagen habe ich mich in einer Ecke festklammert. "Toll". Es war nicht ein einziger Moment, es war die Summe aller Momente, die der Abend bietete. Das gemiensame hochsteigen auf den Berg. Wildfremde Menschen boten mir ihre Taschenlampe an, boten mir eine Sitzgelegenheit (da ich als dummer Touri keine Sitzdecke mitgenommen habe). Es war die gemeinsame Glückseligkeit, die sich wie eine sanfte Nebeldecke ausbreitete. Es war die spürbare Dankbarkeit, die jeden zu erfassen schien und schlussendlich war es auch der gemeinsame Abstieg. Die meisten Schotten, ob jung oder alt spielte keine Rolle, fielen etliche male hin aufgrund des nassen Untergrunds und der tükischen Dunkelheit. Jedes mal verfiel die Gruppe in ein kollektives Gelächter. Da ich kein einziges mal hinfiel, wurde ich gefragt, was ich denn anders mache. Ich verstand aber im ersten Moment, woher ich komme, ich antwortet wahrheitsgetreu "from Switzerland". Von da an war für ihn klar, dass ich mich ja mit Bergen auskenne und dies der Grund dafür sein müsse. Von diesem Moment an waren wir Freunde und er lud mich auf ein Guinnes ein. Spätestens dies war der Moment, als Schottland und ich ebenfalls Freundschaft schlossen.
Schottland... Edinburgh hat mich gepackt. Ich fühle mich wohl hier. Ähnlich wie in Kanda und viel mehr als in den USA, Frankreich, Italien etc. Morgen reise ich ab. In aller Früh fliege ich und werde mich von Edinburgh verabschieden müssen. Schweren Herzens. Ich werde mit Bestimmtheit wieder kommen und ich werde mich freuen. Auf die Dudelsack- Musik, auf ihre Art sich zu kleiden, auf die Tatsache, dass sie wohl die lautesten Menschen auf dieser Erde sind, auf ihr Geld, auf ihre unmögliche Art "italienische" Pizza zu machen...
Daniel Glattauer hat mich gelernt, dass Ende nicht gleich ENDE bedeutet. Also- bis zum nächsten Mal!
Ende
Freitag, 2. September 2011
Geht die Welt noch kleiner?
schottland zum Zweiten
Wie klein die Welt doch ist. Da gibt es so viele Städte a) in Schottland, b) in Grossbritanien, c) in Europa und nicht zuletzt d) auf der Welt. Und ausgerechnet in Edinburgh, einer nicht unbedingt bedeutdenden Tourismus- Stadt, treffen sich zwei Luzerner, die sich zuvor in Luzern, einer Provinzszadt im Vergleich zur Hauptsadt Schottlands, noch nie (bewusst) über den Weg gelaufen sind. Kevin (aka: "ech ha ehre tüüf id Auge gluegt") besuchte also zur gleichen Zeit, das gleiche Hostel (und davon hat es hier sehr veile) und dazu noch das gleiche Zimmer wie ich. Natürlich mussten wir diesen Zufall gebührend feiern und haben uns ohne Umweg in die Edinburgh'er Nachtszene geworfen. Na ja, der Teil mit "ohne Umweg" stimmt so nicht ganz. Unser Ziel war wohl klar definiert, aber eine passende Bar zu finden, stellte sich als äusserst schwierig heraus. Wir liefen wohl mehrere Stunden (!) durch Edinburgh, bevor uns der Hunger ins Nuudel- Haus (Noodle House) verschlug. Dort halfen uns dann drei nette, junge Frauen, ein angenehmes Lokal mit anständiger Live- Musik zu finden. Den Rest des Abends, die Geschichten der angsteinflössenden Ramona aus Griechenland/Serbien/Russland/Iran/Irak/Ukraine/Weissrussland (running gag ;)) etc. lasse ich mal vorsichtshalber weg...
Den gestrigen Tag haben wir uns dann in die Anfänge der Highlands gewagt. Na ja, in die Anfänge der Anfänge der ... Unmittelbar vor der Stadt sind ein paar kleine Hügel, die allerdings bereits die unglaubliche Schönheit der "echten" Highlands erahnen lassen. So ähnlich wie die Schweizer Bergen und trotzdem so total anders. Dunkel, farblos und trotzdem weich und elegant. Ob ich mich noch weiter in das Hochland wagen werde, wird sich zeigen. Je nach Lust und Laune und nicht zuletzt nach Möglichkeit. Kevin ist heute dann weiter Oslo. Viel Spass, Junge!
Und heute dann tatsächlich, der Beweis: die Welt geht noch kleiner. Durch Edinburgh schlendernd werde ich plötzlich von hinten angestupst. Zuerst dachte ich, es sei einer dieser WWF- Typen, von denen hat es zu dieser Zeit gewimmelt. Als ich mich dann, nachdem ich mir eine "sorry, ich verstehe ihre Sprache nicht"- Taktik ausgedacht habe, umgedrehte, blickte ich jedoch in ziemlich vertraute Gesichter. Zwei meiner Nachbarn standen vor mir. Aus Luzern. Zwei von den gut 75'000 Einwohnern stehen plötzlich einer Metropole, welche ohne Touristen schon knapp eine halbe Million Menschen beheimatet, am anderen Ende des Kontinents, vor mir. Zufälle gibts.
Da ich mich eigentlich vor den "must see- Attraktionen" hüte, war ich etwas skeptisch, als ich das Castle, das Wahrzeichen der Stadt, besuchte. Als Geschichts- Freak kam ich aber so oder so nicht darum herum und da mir Chrissie den Eintritt zum Geburtstag schenkte, blieb mir auch noch das lästige Anstehen erspart. Über das Schloss gibt es viele Meinungen. Meine Meinung ist allerdings stark beeindruckt. Da viele Teile des Schlosses seit Jahrhunderten bestehen, ist für mich das Gefühl, dass genau an jenem Platz, an dem ich jeweils stand, vor langer Zeit Geschichte passiert ist und geschrieben wurde tiefgehend und mitreissend. Natürlich sind überall Tafeln aufgehängt, Hinweisschilder montiert und Lautsprecher befestigt, teilweise zerstören sie mehr, als dass sie an Atmosphäre schaffen, aber im Grossen und Ganzen ist die moderne Einwirkung in die spannende Geschichte durchaus gelungen.
Geschichte ist meist romantisch. Sieger und Erfolge brachten ihren Helden und dem Vaterland Ehre und Stolz. Romantik pur. Man darf nicht vergessen, dass Sieger auch immer Verlierer mit sich ziehen. Oft genug hat Geschichte mehr Tragik erlebt als heroische Siege feiern können. Die Schreie, das Leid und die Qual aus den Kerkern sind verschwunden. Geblieben sind faszinierende, leere Räume, in denen undenkbare Dunkelheit und Schmerz den Alltag bildete. Wir können die Kerker jederzeit wieder verlassen, zu viele konnten das nicht. Auf den Schlachtfeldern von Falkirk und Sterling (welche ich auch noch besuchen will) ist das Blut, welches den Boden tränkte, längst verschwunden, die Kampf- und Schmerzschreie verstummt, Heldensagen sind entstanden, denn Sieger hat auf beiden Schauplätzen gegeben. Sieger hat es immer gegeben, denn ohne sie ensteht keine Geschichte. Zu wenige haben diese Schlachtfelder aber wieder lebend verlassen, zu viele haben alles -ihr Leben- verloren. Ich halte jeweils einen Moment inne, wenn ich solch geschichtsträchtige Orte besuche, denn sie zeigt nur allzu oft, wozu wir Menschen fähig sind. Im Guten wie im Schlechten...
P.S. Als Highlite des Tages (nebst der Erkenntniss, dass die Welt immer kleiner wird), kann ich getrost erzählen, dass ich es geschafft habe, mich in einem Bahnhof, welcher etwa einen fünftel so gross ist wie jener in Luzern, hoffnungslos zu verlaufen. :)
Mittwoch, 31. August 2011
Edinburgh- erste Eindrücke
Ich bin unschlüssig, wie ich meinen ersten Blog aus Schottland beginnen soll. Ich variiere zwischen "Ich liebe Edinburgh" und "Edinburgh macht mich depressiv". Aber der Reihe nach:
Ohne Schlaf gings morgens um drei Richtung Basel. (Danke Adi und Tanja für's fahren/begleiten!). Müde kämpfte ich mich schliesslich durch die Sicherheitsschleussen am Flughafen und fand meinen Weg viel zu früh in die Boarding- Zone. Da EasyJet sehr viel für aufgegebenes Gepäck berechnet, habe ich mich entschlossen, ausschliesslich Handgepäck mitzunehmen. Mein kleiner (genau abgemessener) Koffer war denn auch sehr gut gefüllt. Normalerweise konnte ich immer zusätzlich zum Handgepäck meine (Handtaschen-grosse) Kameratasche mitnehmen. So wollte ich es auch dieses mal machen und war guter Dinge, so boarden zu können. Eine Mitarbeterin der Fluglinie rief dann aber, ca. 10min vor dem Boarding, aus, dass EasyJet da "riguros durchgreife" und keine zweite Tasche, egal ob Handtasche oder Laptoptasche oder was auch immer, erlaube. Ich hielt es für einen Standard- Spruch und dachte mir nichts weiter dabei. Als sie das Ganze aber zum fünften Mal wiederholte und unentwegt in meine Richtung starrte, wurde ich unsicher. Was sollte ich also tun? Meinen Koffer für 70 Franken aufgeben wollte ich auf keinen Fall. Somit blieb mir nur die Möglichkeit, die Kameratasche in meinen vollen Koffer zu quetschen. Ich begann also, eine Minute vor dem Boarding, meinen Koffer umzuräumen und versuchte die Tasche noch reinzuwürgen. Ich muss dabei entweder A) hilflos, B) unterhaltend oder C) total ungeschickt ausgesehen haben, denn einige der wartenden Passagiere schienen ab meinem Versuch amüsiert zu sein. Das Ergebnis meines Versuches war, dass ich meinen Koffer nicht mehr schliessen konnte und im unteren, rechten Eck meine Kamera aus dem Rucksack blinzelte und ich die Ziehhilfe des Koffers nicht mehr ausfahren konnte. Nun denn, ich hatte zuimindest nur noch ein Gepäckstück und es sollte immer noch den Richtlinien entsprechen. Ich überwand also das Boarding und trug meinen Koffer so zum Flugzeug und betete (...), dass mein Koffer das durchhielt und nicht reissen würde. Er riss nicht! :)
Der Flug verlief dann so ereignisslos, wie man sich das bei einem schlafenden Passagier nur vorstellen kann. Nach gut zwei Stunden kam ich dann in Edinburgh an.
Ohne einen Plan, wohin ich genau musste, setzte ich mich in den erstbesten Bus. Meine Intuition leitet mich meistens richtig. ;)
Meine ersten Eindrücke von Edinburgh waren denn auch so geteilt, wie es mein Einleitungssatz erahnen lässt. Die Stadt hat unglaublich faszinierende, alte Gebäude, die mit Bestimmtheit sehr viel zu erzählen haben. Sie sind sozusagen der Inbegriffe der Geschichte. Sie versetzen einem zurück ins Mittelalter. Ins dunkle Mittelalter. In eine düstere Zeit voller Trostlosigkeit und Überlebenskämpfe. Edinburgh als Trostlos zu beschreiben, wäre dann aber falsch. Aber es wirkt depressiv. Alles ist dunkel, ist farblos. Es ist, als ob man die Unterdrückung der Engländer nie wirklich überwunden hat und ein Trauma erschaffen wurde, das sich in einer selbstzerstörerischen Art und Weise in den Gebäuden dieser Stadt zeigt. Es ist, als würde William Wallace' Ruf nach Freiheit mit jedem Gebäude, mit einer störrischen Bitterkeit, eine neue Stimme verliehen werden. Und kommt dann mal ein knalliges oranges Haus dazwischen, ein lebändiges gelbes Gebäude, so wirken diese verloren und ausgeschlossen. Edinburgh scheint nicht gewillt, Lebensfreude auszustrahlen. Selbst die vielen vielen Parks mit ihren Bäumen und Wiesen sind in ein dunkles Grün gehüllt, welches perfekt zur ganzen Szenerie passt.
Doch da gibt es auch noch diese andere Seite von Edinburgh. Eine mystische. Eine zauberhafte. Wir leben in einer zu globalen Welt, um wahrhaftig an Märchen zu glauben, an Zauber, an Magie. Edinburgh verführt einem in eine illusorisch echte/echt illusorische Welt, in der alles möglich scheint. Man wähnt sich in eine Zeit versetzt, in der nicht die ganze Welt enteckt ist. In eine, in der hinter jedem Hügel ein neues Wunder warten kann. Wären da nicht diese abertausende von Menschen, welche mich immer wieder unsanft in die Realität holen würden, würde ich wohl zum Kettenpanzer, Schwert und Schild greifen und die Welt entdecken wollen.
Es ist ein schmaler Grat zwischen düsterer Bitterkeit und magischer Ungewissheit. Ich bin mir noch unschlüssig, in welche Richtung mich diese Stadt ziehen wird. Aber dazu bleibt ja noch eine Woche Zeit.
Der Bus war im Übrigen der Richtige. Er führte mich direkt ins Stadtzentrum von Edinburgh und in die Nähe meines Hostels. Mittlerweile sitze ich in diesem Hostel und warte darauf, dass ich einchecken kann. Morgen mehr!
Sonntag, 28. August 2011
Irgendwann...
...werden Flüsse wieder selber ihre Wege wählen.
...werden Bäume dann fallen, wenn sie zu schwach sind, sich selber zu halten.
...werden alle Seen wieder sauber sein.
...werden die Tiere nur noch auf ihre natürlichen Feinde achten müssen.
...werden den Fischen wieder alle Wege in den Ozeanen und Seen offen stehen.
...werden Pflanzen da wachsen können, wo sie wachsen wollen...
...wird unser Planet wieder grün sein.
Irgendwann...
...wird der Mensch keine Dämme mehr bauen, Flüsse umleiten und Seen austrocknen.
...wird der Mensch nicht mehr ganze Wälder niederholzen.
...wird der Mensch nicht mehr seinen Müll ins Wasser kippen.
...wird der Mensch keine Fallen mehr aufstellen, keine Tiere mehr jagen.
...wird der Mensch keine Netze mehr ins Meer werfen, keine Ölkatastrophen mehr verursachen.
...wird der Mensch nicht mehr die Pflanzen so anordnen, wie er es gerne möchte.
...wird es keine Menschen mehr geben.
Irgendwann wird alles wieder friedlich sein.
Die Erde wird sich erholen, denn sie hat alle Zeit der Welt....